Sonntag, 28. Dezember 2014

Trauerrede von Dr. Rupert Neudeck

Ernst Albrecht

Gest. 13. Dezember 2014 Rede in Hannover am 22.12.14 (Begrüßung der Vietnamesen)
Selten fallen Anspruch und Wirklichkeit ineinander. Hier war es einmal so. Der Anspruch des Evangeliums: Nur der ist jemandem, der im Süd-.China Meer ertrinken kann, der Nächste ist, der ihn dort herausholt. Die Wirklichkeit ist das Amt des Ministerpräsidenten eines Bundeslandes. Beides kam zusammen. Das nennt man einen außergewöhnlichen Moment. Wir wollen zum Tode von Ernst Albrecht innehalten und ihm dafür noch einmal Dank sagen.

Wir erlebten 1978-1986 einen solchen privilegierten Moment... Eine humanitären Menschenrettungsaktion als Gemeinschaftsunternehmen von Bevölkerung, Bürgerinitiative und Staat; da das so selten in unserer Zeitgeschichte ist, möchte ich das noch mal zu Ehren von Dr. Ernst Albrecht erklären und erzählen. Der Vietnam Krieg war eine der fürchterlichsten Kriegserfahrungen, die wir als junge Generation, auch als 68 er mitgemacht haben. .
Die kommunistischen Vietnamesen im Norden eroberten den Süden und einten das Land. Sie setzten eine Schicht von bis zu 4 Mio Menschen in Vietnam ausserhalb des Staatsbürgerrechts und diskriminierten sie, verstrieben sie in Umerziehungs- und Arbeitslager. Das Land war kaum vereinigt, als die ersten anfingen zu fliehen.
1978   wurde der Ministerpräsident von Niedersachsen aufgeschreckt wie wir alle von Nachrichten eines chinesischen Seelenverkäufers mit registriertem Namen „Hai Hong". Er war ein religiös musikalischer Politiker, wie Max Weber gesagt hätte, und konnte das nicht so ertragen. Ihm wurde bewußt, dass er mit diesem Amt eines Ministerpräsidenten in der Verfassung der Bundesrepublik in der Lage sei, durch seine Entscheidung einfach tausend Menschen zu retten. Die Hau Hong zog mit über 3.000 Flüchtlingen an Bord von Bangkok nach Singapur nach Anambas, überall wurde ihr das Einlaufen in die Territorialgewässer gesperrt. Niemand wollte sie haben. Deshalb entschied Albrecht, einfach Tausend aufzunehmen. Das war der barmherzige Samariter, der nicht nach dem Zuständigen in Berlin oder Genf fragt, sondern es tut.

1979   kam das Jahr, als die Flüchtlinge zu zehntausenden wie die Lemminge ins Süd-China Meer hineinfuhren, mit völlig unzureichend ausgerüsteten Fluß- und Fischerbooten. Wenn Sie einen Kompaß hatten, dann waren sie schon gut dran.
Wir starteten die Unternehmung Cap Anamur. Der Ministerpräsident, der uns auch bei dieser Aktion kräftig geholfen hat, während es sonst im Gebäude von Bundes und Länderregierungen manchmal gefährlich krachte, war jener,
dessen Tod wir heute hier in Hannover auf das Äußerste betrauern.

Er gab uns immer sofort und bereitwillig die Plätze. Meist tat er das in Briefen, in den en es hieß: „Ich beglückwünsche Sie zu der Rettung von erneut 386 Menschen im Süd-China Meer". Um sich ein Bild von der Lage an Bord dieses Zweimast Frachters Cap Anamur zu machen, luden er und seine Frau uns an einem Wochenende nach Burgdorf ein, seine Frau lebte noch, wir kamen, ein Arzt von der Cap Anamur, Franz Alt und ich.

Wir haben ihm zu danken, alle Vietnamesen sind heute in Trauer und haben ihre Repräsentanten deshalb hierher geschickt, um noch einmal zu sagen: Danke, lieber Herr Dr. Albrecht, dass Sie als der erste in Deutschland bereit waren, die Menschheitsehre zu retten.

Bei dem letzten Besuch, zu dem wir ihn öffentlich gebeten hatten, kam er und hatte wenig Worte aber ein wunderbares Lächeln. Es tat ihm gut, 2010 bei der Enthüllung eines DANKBARKEITS-steins zum Dank der Vietnamesen an die Deutschen und besonders an ihn dabei zu sein. Und als die 4000 Vietnamesen, die da am Landungssteg zusammengekommen waren, nicht nur in stiller Andacht derer gedachten, die unterwegs in den Fluten des Südchina Meeres versunken waren, sondern sie begannen klar und ohne irgendwelches Zögern - die deutsche Nationalhymne zu singen. Ich sah damals in den Augen der anwesenden Politkern Tränen der Rührung. Das hatten sie in Deutschland noch nicht erlebt.

Man weiß nicht, was uns Deutschen an Belohnung winkt, wenn wir Menschenleben retten. Aber in jedem Fall müssen wir retten. Ich hoffe, das Beispiel des Ministerpräsidenten von Niedersachsen könnte auch in diesen Tagen des noch einmal Schule machen, damit wir wenigstens damit dem Papst Franziskus folgen, der uns ermahnt, die Globalisierung der Gleichgültigkeit zu bekämpfen. Ein Ministerpräsident, eine Ministerpräsidentin eines deutschen Bundeslandes kann mit einer Unterschrift das Leben von tausend Menschen retten. Ich wünschte, es würde heute ein weiterer Ministerpräsident das Andenken des Verstorbenen mit einer Neuauflage dieser Rettungsaktion ehren. Recht und Gerechtigkeit für die Menschen werden durch beherztes Agieren erreicht und durchgesetzt. Es gibt eben nichts Gutes, außer man tut es.

Heinrich Böll hatte uns damals - er war neben Albrecht der wichtigste Unterstützer - eine Charta mit auf den Weg gegeben, die so gut klingt, dass ich Sie an diesem Tag auf das Grab von Ernst Albrecht als unser aller Vermächtnis legen möchte. Böll sagte uns: Es ist schön, ein hungerndes Kind zu sättigen, ihm die Nase zu putzen, ihm die Tränen abzuwischen. Es ist schön, einen Kranken zu heilen. Einen Bereich der Ästhetik haben wir noch nicht entdeckt, die Schönheit des Rechts./Über die Schönheit der Künste, eines Menschen, der Natur - Können wir uns immer halbwegs einigen.//Aber Recht und Gerechtigkeit sind auch schön und sie haben ihre Poesie wenn WENN SIE VOLLZOGEN WERDEN.

Lieber Ernst Albrecht, im Namen der tausend von Ihnen und der 11300 Geretteten durch die Cap Anamur sage ich Ihnen ein herzliches Dankeschön für das, was Sie getan haben.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Staatsakt für Enrst Albrecht

NDR: Staatsakt für Ernst Albrecht

Komm heim!

Als Gott sah, dass der  Weg zu lang, der Hügel zu steil und das Atmen zu schwer wurde, legte ER seinen Arm um ihn und sprach: 

Komm heim!

Und  die Stimme, die uns vertraut war, schweigt.

Ein Mensch, der immer für uns da war, ist nicht mehr da.


Er fehlt uns.


Was bleibt, sind dankbare Erinnerungen

Traueranzeige der Vietnamesen

Im Getrenntsein liegt das große Elend der Welt;
Im Mitgefühl liegt die große Stärke.
(Buddha)

Wir, vietnamesische Flüchtlinge, trauern um den Tod des ehrenwerten
                           
                              Dr. Ernst Albrecht
*29. Juni 1930 ; † 13. Dezember 2014

Herr Dr. Albrecht hat Ende der siebziger Jahre rund tausend   vietnamesische Boatpeople in Niedersachsen aufgenommen. Er war damit der erste deutsche Politiker, der sich spontan zu dieser humanitären Geste entschloss, der später eine Zusage der bundesdeutschen Regierung für die Aufnahme von 35000 vietnamesischen Flüchtlingen folgte. Herr Dr. Albrecht hat entscheidend dazu beigetragen, dass die vietnamesischen Flüchtlinge sich hervorragend integrieren konnten. Sein Tod bedeutet für uns einen herben Verlust. Wir werden ihn immer in unseren Herzen behalten.     




Nachruf auf Ernst Albrecht

Nachruf
auf
Herrn Ministerpräsident
Ernst Albrecht

In größter Dankbarkeit
verneigen wir uns
vor seiner äußerst mutigen
und einzigartigen Entscheidung,
uns, den vietnamesischen Boatpeople
in den Jahren 1978 -82
in Deutschland
nicht nur eine neue Heimat
sondern auch große Hoffnung und

neue Chancen zu geben.

Kondolenz für Ernst Albrecht


Unsere Landsleute, vietnamesische Flüchtlinge, trauern um den Tod des hochverehrten

Dr. Ernst Albrecht, Vater des Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen 
* 29. Juni 1930 ; † 13. Dezember 2014
                                                  
KONDOLENZ VON

· Hochehrwürdigem Thích Như Đìển, Generalsekretär der Kongregation der Vereinigten vietnamesischen Buddhistischen Kirche Europa, Patriarch u. Gründer der Pagode Viên Giác

· Dipl.-Ing. Ngô Ngọc Diệp, Vorsitzender der Vereinigung der Buddhistischen Vietnam 

- Flüchtlinge in Deutschland  Gemeinnütziger Verein e.V. - (VBVF)

Dipl.-Ing. Phạm-Công Hoàng, Vorsitzender der Organisation für die Angelegenheiten der Vietnam-Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (OAVD e.V.)
Dr. med. Tô Vĩnh Hòa, Stellv. Vorsitzender für Auswärtige Angelegenheit der OAVD e.V.
· Herrn Hoàng Công Chữ, Berater der OAVD e.V.
· Herrn Trần Văn Các, Berater der OAVD e.V.

Sehr geehrte Frau von der Leyen – Bundesministerin für Verteidigung,

Am 13.12.2014 während der breiten Diskussion über die Verletzung der Menschenrecht seitens der Regierung der Sozialistischen Republik Vietnams haben wir erfahren, dass unserer lieber Retter Dr. Ernst Albrecht an diesem Tag im Alter von 84 Jahren unser hiesiges Dasein auf Erden verlassen hat.

Erschüttert von der Todesnachricht Dr. Ernst Albrechts legten alle Diskussionsteilnehmer eine Gedenkminute für ihn ein.

Die Nachricht vom Ableben Ihres Vaters, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, ist für uns Vietnamesen sehr bestürzend, wir sind sprachlos und tieftraurig. Wir können uns nicht vorstellen, wie unsere Landsleute als „Boat People” im für sie neuen Land hätten Fuß  fassen können, ohne die vom Herzen kommende Hilfe der deutschen Bürger. Besonderen Dank gilt hierbei dem unermüdlichen Einsatz und der Hilfe Ihres Vaters Herrn Dr. Ernst Albrecht. Er war es, der sich damals dazu entschlossen hatte, unterstützt von Ihrer Mutter und  seiner Ehefrau Adele sowie durch die Rückendeckung seines Kabinetts, als allererster Ministerpräsident  1000 Vietnamesen aufzunehmen. Dieses geschah spontan und ohne Votum der Bundesregierung. Ihr Vater war ein Mensch mit hohen moralischen Ansprüchen an sich selbst und ließ dieses auch aktiv in seine Politik und in sein Handeln einfließen.

Für uns bleibt die Erinnerung an ihn tief in unseren Herzen. Er war Schirmherr unseres Kultur- und Sportfestes und war Befürworter des Baues unserer Viên Giác Pagode.
Wir sind voller Dankbarkeit in unserem Geist und in unseren Herzen gegenüber unserem Retter, dem Wohltäter Dr. Ernst Albrecht, Ihrem geschätzten Vater. Für uns als Buddhisten ist Ihr Vater ein Bodhisattvas. Wir beten, dass er ein neues ewiges Leben bei Gott im Himmel beginnt.

Wir als Vietnam-Flüchtlinge, nicht nur wir hier in Deutschland, sondern auch die Flüchtlinge auf der ganzen Welt, sind  in tiefer Dankbarkeit mit ihrem geliebten Vater Dr. Ernst Albrecht verbunden und verpflichtet. Wir werden das Andenken an ihn bewahren und ihn nie vergessen. Wir möchten Ihnen auf diesem Wege unsere große Anteilnahme aussprechen.


Herzliches Beileid 

Montag, 22. Dezember 2014

Ein bemerkenswerter Beitrag zu >>Pegida<< von Dr. Josef Bordat

Ich verweise auf einen bemerkenswerten Beitrag von Dr. Josef Bordat aus Berlin. Er spricht das aus, was ich auch denke aber nicht im Stande bin, es auszudrücken. 

Fakt ist, die Politiker wollten die >>Pegida<< totschweigen, was völlig in die Hose geht. Nun ist man nervös und sucht krampfhaft nach einer Antwort, die man vor Wochen hätte finden können. 

Danke, Josef.

Beitrag von Dr. Bordat (bitte klicken)